Wirtschaft in Kürze
- Argentinisches Tageblatt
- 22 ene 2021
- 14 Min. de lectura
Argentinische Wirtschaft
Der offizielle Dollarkurs schloss am Mittwoch zu $ 91,76, gegen $ 91,03 eine Woche zuvor. Die ZB musste am Dienstag und Mittwoch Devisen für insgesamt u$s 90 Mio. verkaufen, um den Kurs zu halten. Dennoch besteht im Januar ein Saldo zu Gunsten der ZB von u$s 400 Mio. Der Schwarzkurs schloss um $ 155. Der Kurs, der sich über gleichzeitigen Kauf und Verkauf von Staatstiteln in Dollar ergibt (“contado con liquidación”) lag bei $ 148,16, gegen $ 145,51 in der Vorwoche.
***
Der Merval-Aktienindex der Börse von Buenos Aires verzeichnet in einer Woche zum Mittwoch einen Rückgang von 1,45%, und liegt 1,96% unter Ende Dezember 2020.
***
Die Staatstitel in Dollar, die in New York gehandelt werden, lagen in einer Woche zum Mittwoch im Zeichen der Baisse. Die Entwicklung war im Einzelnen wie folgt: Bono 2029LA: -1,39%; Bono 2030LA: -2,97%; Bono 2035LA: -1,89%; Bono LA2038: -3,59%; Bonar 2024: unverändert.
***
Gold wurde in Buenos Aires (Banco Ciudad) am Mittwoch bei 24 Karat zu $ 5.847,61 gehandelt, und bei 18 Karat zu $ 4.093,33.
***
Das primäre Defizit betrug im Jahr 2020 $ 1,7 Bio., teilt das Wirtschaftsministerium mit. Doch das “finanzielle Defizit”, das auch Zinsen auf die Staatsschuld einschließt und das echte Gesamtdefizit darstellt, erreichte $ 2,2 Bio., was 8,5% des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Das Defizit liegt in Wirklichkeit höher und macht ca. 10% des BIP aus, weil die Abhebung des ZB-Gewinnes als echte Einnahme gebucht wird, obwohl es sich um einen reinen Buchgewinn handelt, der sich aus der Zunahme des Pesobetrages der Dollarreserven wegen der Abwertung ergibt. Im Dezember betrug das primäre Defizit $ 307,62 Mrd., und das finanzielle $ 318,91 Mrd.
***
Die Regierung hat das Gesetz über Fernarbeit nach 5 Monaten per Dekret (Amtsblatt vom 20.1.21) reglementiert. Artikel 1 bestimmt, dass Arbeit in Lokalen, die zur Firma gehören, nicht als Fernarbeit eingestuft wird. Der Arbeitnehmer muss mitteilen, wenn er die Arbeit unterbricht. Der Arbeitnehmer kann jederzeit zur Arbeit im Büro zurückkehren, was der Arbeitgeber binnen 30 Tagen zulassen muss. Das Dekret bezieht sich auf weitere Einzelheiten. Doch im Grunde setzt Heimarbeit ein anständiges Verhalten des Arbeitnehmers voraus, da die Arbeit in diesem Fall nicht in Zeiteinheiten bemessen wird, wie im Büro, sondern in der Erfüllung bestimmter Leistungen.
***
Die Rohstahlproduktion lag im Dezember 2020 bei 388.200 Tonnen, 19% über dem gleichen Vorjahresmonat und 0,7% unter November 2020, berichtet die Kammer der Stahlindustrie. Die Produktion von warmgewalzten Produkten (Rundeisen, Bandeisen, Bleche) erreichte 403.600 Tonnen, 35,3% über dem Vorjahr und 2% über dem Vormonat. Im ganzen Jahr 2020 lag die Rohstahlproduktion mit 3,65 Mio. Tonnen um 21,4% unter dem Vorjahr, und die von Walzprodukten mit 1,19 Mio. Tonnen um 3,8% über 2019.
***
Durch Beschluss 4/2021 (Amtsblatt vom 14.1.21) hat das Ministerium für produktive Entwicklung das Gesetz über Wirtschaft des Wissens reglementiert, das sich im Wesen auf Informatikdienste bezieht, aber auch andere Bereiche umfasst, wie Biotechnologie, Genetik u.s.w. Dabei wurde der Exportzoll für diesen Bereich abgeschafft. Zu diesen Zweck müssen sich die Unternehmen in ein Register eintragen. Bei der Gewinnsteuer nimmt der Erlass im Verhältnis zur Größe des Unternehmens ab, während er im Text von 2019 allgemein war. Beim Export von Informatiksoftware u.dgl., der über Internet erfolgt und kaum kontrollierbar ist, ist heute die Versuchung groß, ihn nicht zu buchen und über den Schwarzkurs zu verrechnen.
***
Bei der ersten Ausschreibung für Staatstitel des Jahres 2021, die am Donnerstag der Vorwoche erfolgte, konnte das Wirtschaftsministerium Titel für $ 56,43 Mrd. unterbringen. Davon entfallen $ 23,75 Mrd. auf Ledes, die zu 35,25% verzinst werden und am 31. März 2021 verfallen, $ 23,5 Mrd. auf Lepase, die mit dem Satz der Swaps verzinst werden (jetzt 37,75%) , $ 7,17 Mrd. auf Lecer, die mit dem CER-Index berichtigt werden, plus 0,45%, und am 13.9. 2021 verfallen, und $ 4,67 Mrd. auf Boncer, der mit CER indexiert und zusätzlich mit 2,75% verzinst wird und am 20.9.22 verfällt. Im Januar verfallen bestehende Staatstitel plus Zinsen für insgesamt ca. $ 190 Mrd. und im Februar $ 153,13 Mrd. Es fehlt somit noch viel, um die unmittelbaren Amortisationszahlungen zu decken.
***
Pensionen und Hinterbliebenenrenten wurden im Jahr 2020 um 35,3% bei Mindestpensionen, bzw. 24,3% bei Höchstpensionen, erhöht. Bei einer Inflation von 35,1% ergibt dies einen realen Verlust von 0,6% und 8,7%. In den vier vorangehenden Jahren hatte schon eine reale Abnahme von fast 20% stattgefunden, vor allem als die Inflation 2019 stark zunahm und die Berichtigung mit sechs Monaten Verspätung erfolgte. Das hätte 2020 bei geringerer Inflation aufgeholt werden sollen, doch das Indexierungssystem der Macri-Regierung wurde außer Kraft gesetzt.
***
YPF hat den Benzinpreis in der Vorwoche um 3,5% erhöht. Zehn Tage zuvor war der Preis schon um 2,9% angehoben worden. Seit August 2020 beträgt die Zunahme 34,5%.
***
Das Produktionsministerium und das Ministerium für Auslandsbeziehungen haben gemeinsam bekanntgegeben, dass die Kfz-Exporte, die dieses Jahr die entsprechenden Vorjahreszahlen übertreffen, vom Exportzoll von 12% (mit einer Höchstgrenze von $ 3 je Dollar) befreit werden. Außerdem wurde mitgeteilt, dass an einem Gesetzesprojekt gearbeitet werde, das gezielte Investitionen im Kfz-Bereich fördern soll. Es handelt sich hier um eine Erhöhung des lokalen Anteils am Gesamtwert der Kfz.
***
Der Preis für Sonnenblumensamen ist in die Höhe gesprungen. Das ist darauf zurückzuführen, dass der Preis für Sonnenblumenöl in Rotterdam von u$s 700 auf u$s 1.300 gestiegen ist, weil die Produktion von Palmöl in Malaysia stark gefallen ist, so dass weltweit Knappheit an Speiseöl eingetreten ist.
***
Bei den Hypothekarkrediten mit UVA-Wertberichtigung (die dem Index der Konsumentenpreise des INDEC entspricht) hört die seit September 2019 bestehende Einfrierung der Amortisationsquoten am 31. Januar 2021 auf. Das bedeutet das die Monatsquote vom Februar um ca. 50% zunimmt. Insgesamt handelt es sich um ca. 100.000 Schuldner. 75% der Kredite wurden von der Banco Nación u.a. staatlichen Banken erteilt.
***
Die Verschuldung des Bundesstaates nahm 2020 um u$s 13,02 Mrd. auf u$s 323,06 Mrd. zu, ergeben Daten des Finanzsekretariates, die die Zeitung “Clarín” (17.1.21) veröffentlicht. Das stellt etwa 100% des Bruttoinlandsproduktes dar. Von der Gesamtschuld müssen noch die u$s 45,96 Mrd. umgeschuldet werden, die dem IWF geschuldet werden, plus weitere u$s 2,5 Mrd., die auf private Gläubiger entfallen. Von der Gesamtschuld entfallen 76,24% auf Dollarschulden und der Rest auf Pesoschulden, von denen der allergrößte Teil mit dem CER-Index wertberichtigt wird. 56% der Staatsschuld fällt unter ausländische Gerichtsbarkeit und 44% unter argentinischer.
***
Das Amt für öffentliche Einnahmen, AFIP, hat ca. 2.000 Unternehmen mitgeteilt, dass sie die Bedingungen für die Lohnsubvention, die sie im Rahmen des ATP-Programmes erhalten haben, nicht erfüllt haben,und somit die Subvention zurückgeben müssen. Die ersten Runden des ATP-Programmes waren an keine Bedingungen gebunden, aber die letzten verpflichteten die Unternehmen, keine Dollar über den Finanzmarkt (“contado con liquidación”) zu kaufen, keine Gewinne auszuschütten und kein eigenen Aktien zu kaufen. Die AFIP hat jetzt festgestellt, dass viele Unternehmen doch Dollar am Finanzmarkt gekauft haben.
***
Das Steueramt der Provinz Buenos Aires, ARBA, hat Hinterziehungen bei der Steuer auf Bruttoumsätze (“impuesto a los ingresos brutos”) von $ 1,71 Mrd. aufgedeckt, die auf die letzten 4 Monate 2020 entfallen. Dabei wurden die gezahlten Beträge mit Zahlungen der MwSt. und verketteten Zahlungen der Bruttoumsatzsteuer verglichen. Das Informatiksystem ist stark ausgebaut worden, und das erlaubt, Kontrollen durchzuführen, ohne dass ein Inspektor beim Steuerzahler präsent ist.
***
Der Index der Grossistenpreise des INDEC weist im Dezember eine Zunahme von 4,54% gegenüber November aus, was in 12 Monaten zum Dezember eine Zunahme von 35,4% ergibt, leicht unter der des Indices der Konsumentenpreise, der eine Zunahme von 36,1% verzeichnet. Lokal erzeugte Produkte stiegen im Dezember um 4,4%, importierte um 3,9%. Bei den lokalen Produkten stiegen primäre Produkte um 7,2%, während Industriegüter nur um 3,7% und elektrischer Strom nur um 0,2% stiegen. In 12 Monaten stiegen die Preise landwirtschaftlicher Produkte um 54,4%, während Fischereiprodukte um 20,8% zurückgingen.
***
Der Index der Baukosten des INDEC verzeichnet im Dezember eine Zunahme von 3,4% gegenüber November, womit die 12 Monate zum Dezember eine Zunahme von 42,3% erreichen. Baumaterialien verteuerten sich im Dezember um 6,2%, Arbeitskosten nur um 0,8%, und Gemeinkosten um 3,2%. In 12 Monaten zum Dezember stiegen die Preise von Baumaterialien um 64,4%, die Arbeitskosten um 27% und die Gemeinkosten um 35,7%.
***
Das Arbeitsministerium hat den Unternehmern die neuen Bedingungen bekanntgegeben, die erfüllt werden müssen, um Subventionen für Lohnzahlungen zu erhalten. Sie weichen stark von denen des ATP-Programmes ab, das vor zwei Monaten außer Krast gesetzt wurde. Die Firmen, die eine Subvention beantragen, die $ 9.000 pro Arbeitnehmer beträgt, müssen folgende Bedingungen erfüllen: 1. Dass der Umsatz interannuell nicht über 10% gestiegen ist, was im Januar einen realen Rückgang von ca. 25% bedeutet; 2. Eine Zunahme von bis zu 10%, bzw. 5% bei Großunternehmen, bei der auf Käufe gezahlten MwSt. 3. Der Koeffizient, der sich aus den gesamten Passiven bezogen auf das Eigenvermögen ergibt, darf nicht über 0,6% liegen; 4. Der Koeffizient, der sich beim Vergleich der laufenden Passiven mit den laufenden Aktiven ergibt, darf nicht über 1,6% liegen; 5. Der Konsum von Strom und Gas muss unter dem Vorjahr liegen; 6. Die Importe müssen um 20% unter dem Vorjahr liegen, bei Unternehmen mit über 800 Angestellten um 30%. Eingeschlossen sind nur sogenannte kritische Bereiche (die hart von der Pandemie betroffen wurden), wie Gastronomie, Tourismus, Unterhaltung und Gesundheitsdienste.
***
Die Zentralbank hat dem Schatzamt im Jahr 2020 einen Betrag übertragen, der laut Budgetbüro des Kongresses 8,2% des Bruttoinlandsproduktes ausmacht, fast drei Mal so viel wie 2019, als es nur 3% des BIP waren. Es ist mit Abstand der höchste Betrag seit 2014, als die Zuwendungen 5,2% des BIP erreichten. Diese Mittel entfallen auf Geldschöpfung, und zu einem geringeren Teil auf Unterbringung von Leliq-Scheinen bei den Banken. In absoluten Zahlen entfielen 2020 $ 1,6 Bio. (Millionen von Millionen) auf Abhebung des ZB-Gewinnes, der jedoch nur ein Buchgewinn ist. Die transitorischen Vorschüsse betrugen $ 407,72 Mrd., und dann kommen noch die Schatzscheine hinzu, die die ZB übernommen hat, die per Saldo um die $ 200 Mrd. ausmachen. Insgesamt hat die ZB dem Schatzamt um die $ 2,2 Bio. überwiesen.
***
Lateinamerikanische Wirtschaft
Paraguay hat in den letzten 25 Jahren die mit Sojabohne bebaute Fläche mehr als verdreifacht, so dass der Export von leicht über einer Million Tonnen auf über 6 Mio. Tonnen pro Jahr gestiegen ist. Paraguay ist weltweit zum vierten Exporteur von Sojabohne aufgestiegen, nach Brasilien, USA, und Argentinien.
***
Deutsche Wirtschaft
Die insolvente Steakhaus-Kette Maredo hat fast allen Mitarbeitern gekündigt. Weil kaum noch Liquidität vorhanden sei für die Zahlung von Löhnen und Gehältern, sei man zu diesem Schritt gezwungen, heißt es in einem Brief der Chefetage an die Belegschaft. Nur eine Rumpftruppe in der Verwaltung arbeitet vorerst weiter. Zuvor hatte das Branchenportal Food Service darüber berichtet. Maredo hatte im März 2020 Insolvenzantrag gestellt. Von 35 Restaurants wurden 15 zugemacht, etwa die Hälfte der rund 950 Beschäftigten musste gehen. Die coronabedingten Schließungen ab November waren ein weiterer Rückschlag. (dpa)
***
Der Industriekonzern Thyssenkrupp hat seinen ersten Großauftrag für den Bau von Anlagen zur Produktion von grünem Wasserstoff an Land gezogen. Die Konzerntochter Uhde werde in Kanada einen Elektrolyseur mit einer Leistung von 88 Megawatt installieren, teilte Thyssenkrupp am Montag mit. Auftraggeber sei das staatliche Energieunternehmen Hydro-Québec, einer der größten Wasserkraftversorger in Nordamerika. Zum Investitionsvolumen machte Thyssenkrupp keine Angaben. Der in der Anlage produzierte Wasserstoff und der dabei entstehende Sauerstoff sollen bei der Herstellung von Biokraftstoff aus Restmüll eingesetzt werden. Der Produktionsstart sei für Ende 2023 geplant. Wasserelektrolyse gilt als eine Schlüsseltechnologie für den klimafreundlichen Umbau von Industrie und Transportsektor. Thyssenkrupp setzt in dieses Geschäftsfeld große Erwartungen. (dpa)
***
Die deutsche Wirtschaft beweist nach Einschätzung der Bundesbank auch im verschärften Lockdown ihre Widerstandsfähigkeit. Es gebe "ermutigenden Signale", die darauf hoffen ließen, "dass auch die zu Beginn des neuen Jahres verlängerten und noch weiter verschärften Einschränkungen die wirtschaftliche Erholung nicht allzu weit zurückwerfen", schreibt die Notenbank in ihrem Monatsbericht Januar. Ihre Zuversicht begründen die Volkswirte der Bundesbank mit der Entwicklung im Schlussquartal 2020. Wie das Statistische Bundesamt geht die Bundesbank davon aus, dass das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal des abgelaufenen Jahres "in etwa stagniert" hat. Dass es zu keinem größeren konjunkturellen Rückschlag kam, liege unter anderem daran, dass einige nicht unmittelbar durch die Maßnahmen betroffene Wirtschaftsbereiche sich weiter erholten, erklärte die Bundesbank. Dabei sei vor allem die Industrie zu nennen. Nach den bis November vorliegenden Zahlen sei dort die Produktion stark gestiegen. Auch der Bau habe kräftig zugelegt. Und selbst im Einzelhandel gab es vor der Schließung vieler Geschäfte im Dezember noch steigende Umsätze. Im Gesamtjahr 2020 brach die Wirtschaftsleistung Deutschlands einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes zufolge um 5% im Vergleich zum Vorjahr ein. (dpa)
***
Nach der Einstellung des Strafverfahrens gegen die aktuelle VW-Spitze wegen Marktmanipulation im Dieselskandal wird auch der entsprechende Prozess gegen Ex-Konzernchef Martin Winterkorn abgeblasen. Dies teilte das Landgericht Braunschweig am vergangenen Freitag mit. Zu diesem Punkt wird es vorerst kein öffentliches Gerichtsverfahren geben - an dem ab Ende Februar geplanten Betrugsprozess gegen Winterkorn wegen erhöhter Diesel-Abgaswerte hält die Justiz jedoch fest. Die Begründung der vorläufigen Einstellung zur Marktmanipulation ist zudem anders gelagert als im Fall des aktuellen VW-Aufsichtsratschefs Hans Dieter Pötsch und Vorstandschefs Herbert Diess, die zunächst ebenfalls deswegen angeklagt waren. Die mögliche Strafe, die auf Winterkorn schon im Betrugsverfahren zukommen könnte, dürfte deutlich höher sein als beim Vorwurf der zu späten Information der Finanzwelt über die Folgen der gefälschten Emissionsdaten, erklärte das Gericht. (dpa)
***
Die Menschen in Deutschland haben in der Corona-Krise in Summe so viel Geld auf die hohe Kante gelegt wie nie und das Aktiensparen entdeckt. Auf den Rekordwert von E 6.738 Mrd. kletterte das Geldvermögen der privaten Haushalte im dritten Quartal 2020, wie die Deutsche Bundesbank mitteilte. Das sind 108 Mrd. oder 1,6% mehr als im Vierteljahr zuvor. Privatanleger profitierten auch davon, dass sich die Aktienmärkte vergleichsweise rasch vom Corona-Crash im Februar und März erholten. Die Entwicklung im Zeitraum Juli bis einschließlich September sei "erneut durch eine hohe Ersparnisbildung und die anhaltende Erholung am Kapitalmarkt geprägt", erklärte die Bundesbank. Die Bewertungsgewinne aus gestiegenen Kursen bezifferte die Notenbank auf E 20 Mrd. (dpa)
***.
Der Markt für Bio-Lebensmittel in Deutschland ist nach Angaben von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner auch in der Corona-Krise weiter gewachsen. Im vergangenen Jahr dürfte der Umsatz nach ersten Schätzungen auf mehr als E 14 Mrd. gestiegen sein. 17% über dem Vorjahr. "Die Branche hat in der Pandemie noch mal einen Schub bekommen." Aus vielen Gelegenheitskäufern seien inzwischen Gewohnheitskäufer geworden.Laut einer neuen Umfrage im Auftrag des Ministeriums geben 37% der Befragten an, regelmäßig zu Bio-Produkten zu greifen. Gekauft werden sie weiterhin vor allem in Supermärkten. Das vor 20 Jahren eingeführte staatliche Bio-Siegel wird demnach inzwischen von mehr als 6000 Unternehmen freiwillig für fast 90 000 Produkte verwendet. (dpa)
***
Die Bundesregierung bessert nach Kritik aus der Wirtschaft bei den Corona-Hilfen nach. "Die Hilfen werden einfacher, umfangreicher und zielgenauer", sagte Finanzminister Olaf Scholz (SPD) am Dienstag. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) betonte: "Wir werden die Überbrückungshilfe III drastisch vereinfachen und auch bei der Höhe noch eine Schippe drauf legen." Die Einigung kam kurz vor Beratungen von Bund und Ländern über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise. Dort ging es um eine Fortsetzung des Lockdowns bis in den Februar hinein sowie um mögliche schärfere Regeln. (dpa)
***
Russland will die umstrittene Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 trotz erwarteter US-Sanktionen zu Ende bauen. Moskau beabsichtige, "die kontinuierliche Arbeit an der Fertigstellung dieses Projekts fortzuführen", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge. Russland bedauere das Vorgehen der Vereinigten Staaten. "Dieses internationale Projekt ist weiter mit grobem, gesetzwidrigem Druck vonseiten der USA konfrontiert." Die US-Botschaft in Berlin hatte am Montag die Bundesregierung darüber informiert, dass die USA an diesem Dienstag Sanktionen wegen Nord Stream 2 verhängen wollen. Die Strafmaßnahmen sollen das am Pipeline-Bau beteiligte russische Verlegeschiff "Fortuna" betreffen. (dpa)
***
Die deutsche Industrie verfügt wieder über einen stattlichen Auftragsbestand. Im November wurde der zwischenzeitliche Einbruch in der Corona-Krise weiter aufgeholt. Der preisbereinigte Wert der Bestellungen beim Verarbeitenden Gewerbe lag 0,8% über dem Vormonat und 3,2% höher als im Februar 2020 und damit vor der Krisen. Rechnerisch verfügten die Unternehmen über Aufträge mit einer Produktionsreichweite von 6,5 Monaten. (dpa)
***
Der Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland hat sich 2020 deutlich abgeschwächt. Stark gefallene Energiepreise und die zeitweise Mehrwertsteuersenkung drückten die Inflationsrate im Jahresschnitt auf 0,5%, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das war der niedrigste Stand seit 2016. Eine noch geringere Rate war zuletzt in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 (plus 0,3%) gemessen worden. Im Jahresschnitt 2019 hatte die Inflationsrate 1,4% betragen. Im Dezember lagen die Verbraucherpreise um 0,3% unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Die Rate war so zum fünften Mal 2020 negativ. (dpa)
***
Die Bundesregierung erhöht die Corona-Hilfen für Soloselbstständige wie etwa Künstler. Die Neustarthilfe werde von 25% auf nun 50% des Vergleichsumsatzes erhöht, zugleich werde die maximale Förderhöhe deutlich angehoben. Auch wird die Neustarthilfe für weitere Empfänger geöffnet. (dpa)
***
Die Bundesregierung will Verbraucherrechte stärken und dafür sorgen, dass Angebote im Internet transparenter werden. Das Kabinett verabschiedete am Mittwoch einen Gesetzesentwurf aus dem Justizministerium, der eine EU-Richtlinie umsetzen soll. Der Entwurf sieht unter anderem vor, dass Vergleichsplattformen im Internet angeben müssen, nach welchen Kriterien sie Waren und Dienstleistungen bewerten. Zudem müssen Plattformen und Suchmaschinen kennzeichnen, wenn Anbieter für eine bessere Platzierung unter den Suchergebnissen bezahlen. Angegeben werden muss auch, ob Angebote von Unternehmen oder Privatpersonen stammen. (dpa)
***
Weltwirtschaft
Chinas Wirtschaft hat im Jahr 2020 ein deutliches Wachstum geschafft. Wie das Pekinger Statistikamt am Montag mitteilte, nahm das Bruttoinlandsprodukt 2020 um 2,3% zu. China ist damit laut Prognosen die einzige große Volkswirtschaft, die 2020 nicht geschrumpft ist. Laut der offiziellen Zahlen hatte die Wirtschaft zuletzt weiter Fahrt aufgenommen. Nach einem Plus von 4,9% im dritten Quartal, legte sie im vierten Quartal um 6,5% im Vorjahresvergleich zu. (dpa)
***
Der französische Peugeot-Hersteller PSA und Fiat Chrysler (FCA) haben ihre Megafusion zum weltweit viertgrößten Autokonzern abgeschlossen. Das bestätigten die beiden Unternehmen am Samstag in einer gemeinsamen Erklärung. Der neugebildete Hersteller Stellantis hat große Standbeine in Europa und Nordamerika. Er führt 14 Automarken wie Peugeot, Citroën, Jeep, Fiat, Maserati und Alfa Romeo, und beschäftigt rund 400 000 Menschen. Die Aktie von Stellantis soll von Montag an in Mailand und Paris gehandelt werden. (dpa)
***
Der boomende Wertpapierhandel an den Finanzmärkten und gesunkene Kreditrisiken in der Corona-Krise haben die größte US-Bank JPMorgan Chase zum Jahresende glänzend verdienen lassen. Unter dem Strich gab es im vierten Quartal einen Rekordgewinn von u$s 12,1 Mrd. 42% mehr als vor einem Jahr. Während die Zinseinnahmen sanken, florierte wie schon im Vorquartal erneut das Handelsgeschäft mit Aktien und Anleihen. Besonders gut lief zudem diesmal das klassische Investmentbanking. Die Bilanz profitierte darüber hinaus sehr stark davon, dass ein Teil der milliardenschweren Rückstellungen für ausfallbedrohte Kredite, die aufgrund der Pandemie gebildet worden waren, angesichts verbesserter wirtschaftlicher Aussichten wieder aufgelöst werden konnte. Insgesamt strich JPMorgan 2020 einen Nettogewinn in Höhe von u$s 29,1 Mrd. ein, 20% unter dem Vorjahr. Die gesamten Erlöse legten im vergangenen Jahr dennoch um 4% auf knapp u$s 120 Mrd. zu. (dpa)
***
Der EU-Brexit-Unterhändler Michel Barnier hat die derzeitigen Probleme beim Handel zwischen Großbritannien und der EU sowie Nordirland als logische Konsequenz des Brexits bezeichnet. "Es gibt mechanische, offensichtliche, unvermeidbare Konsequenzen, wenn man den Binnenmarkt verlässt, und das ist es, was die Briten tun wollten", sagte der Franzose unter anderem der "Financial Times". Barnier warnte Großbritannien davor, zu stark von EU-Standards abzuweichen, da das Land dann den zollfreien Zugang zum EU-Binnenmarkt - wie er nun dank des in letzter Minute ausgehandelten Handelspakts besteht - verlieren könne. (dpa)
***
Boeings Krisenjet 737 Max soll nach fast zwei Jahren Flugverbot auch in Europa in wenigen Tagen wieder starten dürfen. Er erwarte die Wiederzulassung in der nächsten Woche, sagte der Chef der europäischen Luftfahrtbehörde EASA, Patrick Ky. Nach Ansicht der Behörde erfüllten die Verbesserungen an dem Flugzeugtyp die Anforderungen an die Flugsicherheit. In Boeings Heimatland USA und in Brasilien ist die 737 Max bereits wieder zugelassen. Der Mittelstreckenjet Boeing 737 Max war im März 2019 nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten aus dem Verkehr gezogen worden. Als Hauptursache der Unglücke galt ein fehlerhaftes Steuerungsprogramm. (dpa)
***
Im Kampf gegen das Coronavirus und künftige Pandemien ruft das Weltwirtschaftsforum (WEF) zu einem gemeinsamen Vorgehen auf. Regierungen, Unternehmen und Gesellschaften müssten dringend neue wirtschaftliche und soziale Systeme gestalten, "die unsere kollektive Widerstandsfähigkeit" verbessern, sagte WEF-Managerin Saadia Zahidi bei der Vorstellung des Weltrisikoberichts. Gleichzeitig müssten die Ungleichheit verringert, die Gesundheit verbessert und der Planet geschützt werden. Die Corona-Pandemie habe Millionen Leben gekostet sowie die langjährigen gesundheitlichen, wirtschaftlichen und digitalen Unterschiede noch vergrößert. (dpa)
***
Als Ausgleich für den Verlust ihrer Exporte in die EU zahlt die britische Regierung Fischereiunternehmen 23 Mio. Pfund Schadenersatz. Exporteure, die von Lieferschwierigkeiten betroffen sind, können bis zu 100.000 Pfund beantragen. Wegen neuer Zollhürden nach dem Brexit waren viele Händler von Lieferproblemen betroffen. Zahlreiche Lastwagen standen tagelang an der Grenze im Stau - die Ware verdarb. (dpa)
***
Der boomende Handel mit Wertpapieren in der Corona-Krise hat dem US-Geldhaus Morgan Stanley zum Jahresende starke Geschäftszuwächse beschert. In den drei Monaten bis Ende Dezember stieg der Gewinn im Jahresvergleich um mehr als die Hälfte auf u$s 3,4 Mrd. Die gesamten Einnahmen wuchsen um rund ein Viertel auf u$s 13,6 Mrd. Morgan Stanley spielte weiter der rege Betrieb an den Finanzmärkten in die Karten, in der Handelssparte und in der Vermögensverwaltung legten die Erlöse kräftig zu. Noch stärker florierte das klassische Investmentbanking, wozu etwa die Betreuung und Beratung von Unternehmen bei Börsengängen oder Anleiheplatzierungen zählt. Hier kletterten die Einnahmen um 46%. Im gesamten Geschäftsjahr 2020 nahmen die Erträge um 16% auf u$s 48,2 Mrd. zu. Der Gewinn stieg um 22% auf u$s 11,0 Mrd. (dpa)
***.
Die Inflation im Euroraum bleibt negativ. Die Jahresinflationsrate verharrte im Dezember auf minus 0,3%, wie die Statistikbehörde Eurostat mitteilte. Entscheidend für den Preisrückgang im Jahresvergleich bleiben stark fallende Energiepreise. Auf Jahressicht gingen sie im Dezember um 6,9% zurück. Leicht gefallen sind zudem die Preise industriell hergestellter Güter. Am deutlichsten stiegen hingegen mit 2,1% die Preise von unverarbeiteten Lebensmitteln. Dienstleistungen waren etwas teurer als ein Jahr zuvor. Die Kernrate (ohne Energie, Lebens- und Genussmittel) lag im Dezember unverändert bei 0,2%. Auch hier wurde die erste Schätzung bestätigt. Seit September sind die Kernverbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahr jeweils mit diesem Tempo gestiegen. Das mittelfristige Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp 2% wird abermals deutlich verfehlt. Diese Rate wurde seit langem nicht mehr nachhaltig erreicht. Deshalb und wegen der Corona-Krise hatte die Notenbank ihre Geldpolitik im vergangenen Jahr mehrfach stark gelockert. (dpa)
***
Statistiken

Comentarios