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Mit der Hand schreiben tut gut

  • Foto del escritor: Argentinisches Tageblatt
    Argentinisches Tageblatt
  • 29 abr 2021
  • 3 Min. de lectura

Weltbekannte Autoren arbeiteten mit Stift und Zettel

Von Marion Kaufmann

Jorge Luis Borges
Jorge Luis Borges. (Foto: Pera)

Buenos Aires (AT) - Die Älteren sagen: „Guck mal, meine Handschrift ist ganz zittrig geworden. Das kommt, wenn man älter wird.“ Die Jüngeren sagen: „Ist doch lächerlich, nachher kann man‘s nicht lesen. Ich hab doch einen Computer.“ Die Kinder sagen: „Wieso? Kann man denn auch mit der Hand schreiben?“ Alle Kommentare stimmen, aber nicht ganz.

Gewiss wird im Alter die Schrift zittriger, aber nicht nur deshalb, sondern auch weil man in späteren Jahren an und für sich wenig schreibt. Die Jüngeren sind einfach zu faul. Und die Kinder haben noch nie ein Tintenfass gesehen, sie leben und gedeihen mit dem Computer, dem Handy und dem Tablet.

Natürlich gab es Zeiten vor dem Internet und vor den Schreibmaschinen, wo jeder mit dem Federhalter, dem Bleistift, dem Tintenkuli, oder dem Füllfederhalter schrieb, und ganz vorher mit der Feder. Doch so weit wollen wir ja gar nicht zurückkehren. Es geht um das Leben heute. Die Wissenschaftler haben festgestellt, dass das Schreiben mit der Hand im Gehirn eine Reaktion ausführt, die unser Gedächtnis und die Lernfähigkeit fördert. Die Aktion des Schreibens veranlasst das Gehirn, sich mit dem Thema zu befassen, das uns gerade beschäftigt, und die schreibende Hand führt die Idee zum Gehirn, wo sie sich im Gedächtnis festigt.

Wenn es darum geht, einen Text zu schreiben, gehen wir zum Computer und fangen an zu tippen; das geht schnell und ermöglicht das Geschriebene zu löschen. So weit die Vorteile. Die Nachteile sind, dass der kognitive Aspekt, der uns hilft, Ideen zu assimilieren oder über Gefühle nachzudenken, vermindert wird.

Einfach auf einem Blatt Papier unsere Gedanken auszudrücken, ist gut für unser Gefühlsleben. Es hilft auch, unsere Ideen zu klären, wenn wir eine Entscheidung treffen müssen. Und auch für den Körper ist Schreiben ratsam, es lindert Stress und sogar auch Herzbeschwerden, weil sich die Spannung lockert.

Berühmte Schriftsteller haben mit der Hand geschrieben, wie zum Beispiel Antoine Saint Exupery (Frankreich), Verfasser von „Der kleine Prinz“, dessen Schriftzüge - so die Experten - anscheinend mit dem Bleistift oder einer Feder eilig hingeworfen waren.

Oder Truman Capote (USA), von dem man handgeschriebene Notizen kennt, auf denen er seine Romane aufbaute.

Von Jorge Luis Borges (Arg.) kennt man seine Bücher, die er mit winzigen Buchstaben schrieb, bevor er ganz blind war.

Martín Kohan (Arg.) hat viele Rivadavia-Hefte mit handgeschriebenen Notizen gefüllt, die er später auf die Schreibmaschine übertrug.

J. K. Rowling
J. K. Rowling. (Foto: dpa)

J.K. Rowling (Großbritannien).Von ihr wird gesagt, sie habe den ersten Harry-Potter-Band auf Papierservietten geschrieben. Das dürfte eine Legende sein. Doch wahr ist, dass sie nicht zu Hause, sondern in einem Edinburgher Café mit einem Block und einem Kugelschreiber arbeitete. Als Erstes machte sie einen Rohentwurf, den sie nach dem Lesen auf den Computer übertrug.

Miguel Delibes (Spanien) schrieb mit der Hand in einer Schrift, die mit der Zeit immer unleserlicher wurde. Dann übergab er die Arbeit einer Sekretärin, die seine Texte entziffern konnte und sie auf eine Schreibmaschine übertrug.

Adolfo Bioy Casares (Arg.) arbeitete mit einem Pelikan-Kugelschreiber, als er beauftragt wurde, für die Hersteller eine Annonce zu schreiben. „Seitdem bekomme ich immer Lust zum Schreiben, wenn ich einen Pelikan in der Hand habe.“ (Si non è vero...)

Pablo Neruda (Chile) hatte sich beim Tippen einen Finger verletzt und kehrte für ein paar Monate zur Handschrift seiner Kindheit zurück. Als er dann wieder tippen konnte, stellte er fest, dass die handgeschriebenen Gedichte weitaus besser waren!

Graham Greene (Großbritannien) wurde wie folgt von einem Freund beschrieben, mit dem er eine Seereise machte: „Er kam frühmorgens auf Deck, setzte sich und holte ein Heft aus schwarzem Leder und einen Federhalter hervor. Ganz langsam, Wort für Wort, ohne etwas zu streichen, schrieb er während einer Stunde 500 Wörter. Dann verwahrte er den Federhalter, erhob sich und sagte zu dem Freund: „Fertig. Jetzt gehen wir frühstücken.“ Als er älter wurde, kam er nur auf 300 Wörter.

Die Liste geht natürlich noch weiter ...

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