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Ganz nah bei Merkel

  • Foto del escritor: Argentinisches Tageblatt
    Argentinisches Tageblatt
  • 3 oct 2021
  • 2 Min. de lectura

Actualizado: 5 oct 2021

Von Marcus Christoph

Fast 16 Jahre ist Angela Merkel nun im Bundeskanzleramt. Sollte sich die Bildung einer neuen Regierung über den 17. Dezember hinausziehen, wäre sie sogar länger für die Richtlinien der deutschen Politik zuständig als ihr einstiger Mentor Helmut Kohl. Doch rein subjektiv kam mir dessen Amtszeit deutlich prägender vor. Was sicherlich auch damit zu tun hat, dass ich selbst während Merkels Kanzlerschaft über ein Jahrzehnt in Argentinien war und somit nicht unmittelbar von Entscheidungen ihrer Politik betroffen war.

Dabei hatte ich das Glück, die CDU-Politikerin dreimal aus der Nähe erleben zu dürfen. Das erste Mal war im August 2005 in meiner Heimatstadt Heiligenhafen in Schleswig-Holstein. Angela Merkel forderte damals als Oppositionsführerin den amtierenden Kanzler Gerhard Schröder heraus. Da sich in den Sommermonaten viele Touristen an der Ostseeküste tummeln, ergab es sich, dass auf dem Marktplatz des sonst nur knapp 9300 Einwohner zählenden Küstenortes binnen weniger Tage der damalige Außenminister Joschka Fischer sowie die erwähnte CDU-Chefin um Wählerstimmen warben. Merkels Auftritt wurde wie auf anderen Plätzen eingeleitet von dem Rolling-Stones-Song „Angie“, was ihr kurze Zeit später Ärger von Mick Jagger & Co. einbringen sollte. Des Weiteren kündigte Merkel eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 18 Prozent an. Am Ende sollten es gar 19 Prozent werden.

Bei den Wahlen blieb die Union weit unter den hohen Umfragewerten der Vorwochen. Dennoch wurden CDU/CSU knapp vor der SPD stärkste politische Kraft und Angela Merkel Bundeskanzlerin einer großen Koalition. Damals trauten viele „Kohls Mädchen“ das Amt nicht wirklich zu. Das wiederum kann man sich heute kaum mehr vorstellen.

Es zogen zwölf Jahre ins Land, ehe ich der Kanzlerin wieder begegnete. Diesmal war es in Buenos Aires, wo Merkel dem damaligen argentinischen Präsidenten Mauricio Macri einen Besuch abstattete. Akkreditiert durch das Tageblatt durfte ich der Pressekonferenz der beiden Regierungschefs in der Casa Rosada beiwohnen. Um ein Haar hätte ich sogar eine Frage stellen dürfen, hätten nicht meine argentinischen Kollegen die Losentscheidung, die zu meinen Gunsten ausgefallen war, widerrufen. Sie sahen mich als deutschen Vertreter, während die deutsche Seite das Tageblatt auf der argentinischen Seite eingeordnet hatte. So blieb es beim stillen Beobachten der Statements in prunkvoller Umgebung. Aber auch dies war natürlich ein Erlebnis. In Erinnerung geblieben ist die Ankündigung Macris, bei der Fußball-WM in Russland gegen Deutschland siegen zu wollen. Merkel widersprach. Direkt nach ihrer Rückkehr nach Deutschland nahm sie den Wahlkampf auf. Wo? In Heiligenhafen. Denn die Kanzlerin weiß offenbar, wo es schön ist.

Das letzte Mal, dass ich Angela Merkel aus der Nähe sah, war beim G20-Gipfel in Buenos Aires Ende 2018. Im militärisch abgeschirmten Pressezentrum in Costa Salguero war ich eigentlich auf dem Weg zur Pressekonferenz von Mauricio Macri, als mir auf dem Gang schnellen Schrittes die Kanzlerin entgegenkam. Meine damalige Kollegin Nicole Klostermann schaltete blitzschnell und schoss ein schönes Bild dieser spontanen wie kurzen Begegnung. Dafür, dass die Weltpolitikerin auf dem Weg zwischen Treffen mit Putin und Trump keine Zeit für einen Smalltalk hatte, darf man wohl Verständnis haben.

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